Kürzlich hat mir ein aufmerksamer Leser geschrieben und gefragt, ob ich etwas gegen “bezahlten Traffic” hätte – also gegen Besucher, die über Werbung (z.B. Google Adwords) auf Ihre Seite kommen. Um das gleich vorweg zu nehmen: Nein, natürlich habe ich gar nichts gegen bezahlten Traffic, ganz im Gegenteil. Aber …
Ja, es gibt ein “Aber” und das gilt ganz besonders, dann, wenn Sie gerade erst begonnen haben, Ihre Seite(n) im Netz bekannt zu machen. Besucher, die über z.B. Anzeigen auf Ihre Seiten kommen, kosten Geld und zwar im Zweifelsfall viel Geld, im schlechtesten Fall mehr, als Sie sich leisten können oder wollen. Sollten Sie zu den Glücklichen gehören, für die Geld keine Rolle spielt, brauchen Sie ab hier nicht mehr weiterlesen
Organischer Traffic – was ist das eigentlich?
Mit “organischem Traffic” bezeichnen wir die Besucher, die auf “normalem” Weg auf unsere Seiten finden, also über Suchmaschinen (Google), über Referrals (also Erwähnungen und Verlinkungen anderer Seiten), soziale Netze (Facebook, Twitter, etc.), usw. Dieser organische Traffic ist kostenlos (abgesehen von der Zeit und der Arbeit, die Sie investieren müssen, um an diese Besucher zu gelangen) und das ist schon einer seiner größten Vorteile. Der zweite Vorteil ist, dass die meisten Menschen im Internet den organischen Suchergebnissen (also den “Nicht-Anzeigen”) immer noch mehr trauen (und diese entsprechend häufiger anklicken), als den Anzeigen. Ähnliches gilt für z.B. Erwähnungen auf sozialen Netzwerken: Was mir ein Freund oder Bekannter empfiehlt, hat eine ganz andere Wertigkeit und Bedeutung, als das, was mir eine Anzeige aus verständlicherweise eigennützigen Gründen, zu verkaufen versucht.
Genau das sind die Gründe, warum ich hier und auch in meinem kostenlosen E-Book: “Internet-Erfolg leicht gemacht” den Schwerpunkt auf organischen Traffic lege – es schont Ihren Geldbeutel und bringt Ihnen nicht unerhebliche Vorteile (auch wenn es zu Anfang ein wenig mühsam ist). Diese Vorteile haben Sie übrigens auch dann noch, wenn Sie sich zu einem späteren Zeitpunkt doch noch (oder zusätzlich) für z.B. Google-Adsense entscheiden. Wenn Ihre Webseite dann bereits bei Google für den einen oder anderen Suchbegriff gut rankt, dann belohnt Google das mit günstigerren Anzeigenpreisen und Sie können bares Geld sparen.
Bezahlter Traffic
Ist jetzt nicht mehr schwer zu erraten: Das sind die Besucher, die über Ihre bezahlten Anzeigen oder auch so genannte Paid-Mails auf Ihre Webseiten kommen. Während Sie bei Google eine gewisse Anzahl von relevanten Suchbegriffen auswählen, für die Ihre Anzeige erscheinen soll, können Sie z.B. bei Facebook Ihre potentiellen Kunden auch soziodemographisch auswählen (z.B. nach Alter, Geschlecht, Familienstand, Interessen). Die Bezahlung erfolgt dann pro Klick auf Ihre Anzeige, wobei der Preis pro Klick zwischen wenigen Cent bis hin zu mehrstelligen Euro-Beträgen variieren kann, je nachdem welche Suchbegriffe Sie da ausgewählt haben. Sie können, zur Sicherheit, ein Tagesbudget festsetzen, über das hinaus keine Anzeigen mehr geschaltet werden, aber auch hier können sich die Kosten schnell summieren, wenn man nicht sehr aufpasst. Die Frage, die ich mir vorher GANZ GENAU beantworten muss, ist, “was will ich mit der Anzeige erreichen?”. Wenn ich die Besucher auf meine Opt-In-Seite lenke, dann muss diese so optimiert sein, dass möglichst viele Besucher sich auch in meine Liste eintragen. Denn jeder Klick kostet mich Geld, will heißen, jeder Lead (also jede Emailadresse) kostet mich bares Geld.
Für gewöhnlich ist das eine Variante, die nur Internetmarketer wählen, die bereits erste Umsätze (z.B. mit anderen Seiten) generieren und Erfahrungen mit solchen Anzeigen haben. In der Regel werden die Besucher, die über Anzeigen auf Webseiten gelangen, direkt auf entsprechende Verkaufsseiten geleitet. Und auch hier (oder hier umso mehr) muss die Seite so optimiert sein, dass der Traffic ordentlich konvertiert (heißt übersetzt: das eine möglichst große Anzahl der Besucher auch das angebotene Produkt kauft). Da gilt es vorher ordentlich rechnen:
Im Normalbereich sind Konversionsraten von 1% (das ist der Durchschnittswert, es geht auch besser, allerdings auch schlechter – je nach Produkt und Preis), heißt also, jeder 100te Besucher kauft. Nehmen wir für dieses Beispiel an, Sie verkaufen auf Ihrer Seite ein elektronisches Produkt (so dass keine Kosten für Bevorratung, Lagerhaltung oder Versnd anfallen) zu € 19,95. Wenn im Schnitt jeder 100ste Besucher kauft, dürfen Sie 100 “bezahlte” Besucher nicht mehr als € 19,95 kosten, um keinen Verlust zu machen (Gewinn haben Sie damit allerdings dann auch noch nicht erzielt, aber schon mal die Daten des Käufers mit der Chance, ihm später nochmal ein Produkt verkaufen zu können) – jeder Klick auf Ihre Anzeige darf also nicht teurer sein als € 0,19. Den Preis pro Klick legen Google oder Facebook o.a. fest, so dass Sie nur die Chance haben , an der zweiten Schraube zu drehen, an der Konversionsrate: Ihre Webseite und Ihr Produkt müssen also so gut sein, dass evtl. eben nicht nur jeder 100ste Besucher kauft, sondern schon jeder 50ste – dann hätten Sie Gewinn gemacht und zwar sind dann letztlich aus dem Einsatz von € 1,00 ein Erlös von € 2,00 geworden, so dass Ihnen nach Abzug Ihres Aufwands € 1,00 bleibt. Wenn es Ihnen gelingt, jeden eingesetzten € über solche Anzeigen zu verdoppeln, dann ist bezahlter Traffic ein lohnendes Geschäft.
Google-, Facebook- oder andere Anzeigen sind eine tolle Sache, wenn man die Spielregeln der jeweiligen Anbieter genau versteht und das System gut kennt (und das muss man ebenso lernen, wie alles andere). Wenn das nicht der Fall ist, kann man hier sehr schnell eine Menge Geld mit minimalem Nutzen versenken (und Sie können mir glauben, ich weiß, wovon ich rede – der teuerste Online-Kurs, den ich je gemacht habe, war der bei Google-Adwords …).
Was ich Ihnen in jedem Fall empfehle, ist, dass Sie sich, wenn es um Ihre neuen Seiten geht, immer zunächst um organischen Traffic bemühen, Ihre Seite bekannt machen, vernetzen und für eine ordentliche Anzahl von Backlinks sorgen. Erst wenn Sie alle Ihre “Hausaufgaben” (wie z.B. On-Page SEO, also schnelle Ladezeiten, Suchbegriff-optimierte Texte, etc.) gemacht haben, sollten Sie überhaupt beginnen über bezahlten Traffic nachzudenken. Wenn Sie dann Ihre Zahlen perfekt im Griff haben, kann das ein sehr lohnendes System sein.







Hier schreibt Kirsten Erlenbruch, Autorin des E-Books "Internet-Erfolg leicht gemacht", das Sie hier kostenlos herunterladen können. Viel Vergnügen bei der Lektüre von Buch und Blog.

